Astragalus in der Heilküche

20161004_165930-2Astragali radix – Huangqi –黄芪

thermische Wirkung: leicht warm
Geschmack: süß
Wirkrichtung: Lunge, Milz

Wirkweise: hebt das Yang empor, stärkt die Funktionskreise Milz und Magen, stärkt das Qi (vor allem von Lunge und Milz) und nährt das Blut, stärkt das Abwehr-Qi und festigt die Körperoberfläche, wirkt harntreibend und reduziert Ödeme.

Huangqi ist nach Renshen (Ginseng) wohl das beliebteste chinesische Qi-Tonikum. Durch die kombinierte Wirkung auf Qi und Blut ist es besonders wirksam um Blut aufzubauen, zum Beispiel in der Zeit nach einer Geburt oder nach einem größeren Blutverlust. Die Blut nährende Wirkung entfaltet Huangqi dabei vor allem indirekt über eine Stärkung des Qi, eine Form des Blutaufbaus, die gerade bei Menschen mit einer schwachen Verdauung, bei denen viele andere blutnährende Nahrungsmittel zu Durchfall führen, besonders gut funktioniert. In diesem Sinn wird Huangqi häufig zusammen mit Danggui (chinesische Angelika oder Engelwurz) verwendet, so zum Beispiel in der beliebten Rezeptur Dang Gui Bu Xue Tang (丹桂补血汤, Dekokt mit Danggui für den Blutaufbau). Doch auch bei einem Qi-Mangel ist Huangqi ein ausgezeichnetes und mildes Kraut, vor allem wenn der Mangel die Funktionskreise Milz und Lunge betrifft, sich also zum Beispiel mit Müdigkeit, weichen Stühlen oder Durchfall, Appetitmangel oder Kurzatmigkeit manifestiert. Besonders wirksam ist Huangqi, wenn eine Schwäche des Abwehr-Qi vorliegt, wenn also die Körperoberfläche nicht genügend geschützt werden kann. Die Indikationen in diesem Bereich sind eine vermehrte Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten und spontanes Schwitzen. Bei einer bekannten Anfälligkeit ist es deshalb eine gute Idee, sich im Herbst zur Vorsorge einige Male eine Suppe mit Huangqi zu bereiten. Auch wenn ein Qi-Mangel mit Aufgedunsenheit und Ödemen zusammenfällt, ist Huangqi eine gute Wahl, eventuell kombiniert mit leicht harntreibenden Getreiden oder Hülsenfrüchten. Eine weitere spezielle Wirkung dieses Heilkrautes ist es, das Yang nach oben zu heben, was bei den unterschiedlichen Formen von Prolaps eingesetzt wird, also in dem Muster „das Milz-Qi sinkt ab“.

Vorsicht: Huangqi ist ein mildes Kraut und auch in der Schwangerschaft nicht kontraindiziert; in vielen Rezepturen werden relativ große Mengen davon verwendet. Die maximale tägliche Menge in Dekokten wird mit 9-15 Gramm angegeben.

Huangqi ist zwar nur als leicht wärmend klassifiziert, kann aber doch jede Form von Hitze verschlimmern. Es sollte deshalb bei Yin-Mangel mit Anzeichen für Leere-Hitze, bei jeder Form von Fülle-Hitze oder Feuchte-Hitze vermieden werden. Wie viele Qi-Tonika sollte man auch Huangqi während einer akuten Erkrankung oder Infektion vermeiden.

 

In der Küche

Traditionell wir Huangqi vor allem in Dekokten, Tees, Congees und Suppen (meist Fleischsuppen) verwendet. Eine sehr beliebtes Rezept kombiniert das Kraut in einer Hühnersuppe mit Danggui. Auch eine einfache Hühnersuppe mit Huangqi ist sehr schmackhaft und wirksam. Ein anderes Rezept kombiniert das Kraut mit weiteren Zutaten zu einer diesmal vegetarischen Suppe, die das Abwehr-Qi stärkt. Und schließlich kann man Huangqi wie die meisten Qi-Tonika sehr gut dazu verwenden, um Getreide zu kochen. Dabei verwenden wir eine Abkochung oder geben Huangqi bei Getreidesorten mit einer ausreichend langen Kochzeit direkt ins Kochwasser. Wichtig ist hierbei, dass am Ende der Kochzeit kein überschüssiges Kochwasser abgegossen werden muss, also das Wasser genau abmessen. Mit einer Heilkräuterbrühe kann man auch sehr gut jeden italienischen Risotto kochen. Einziges Manko: Huangqi bleibt auch nach dem Kochen recht holzig und kann deshalb nicht mitgegessen werden.

 

Milder Tee mit Huangqi

In eine Thermoskanne 10 g Huangqi und 20 g Gouqizi (Goji-Beeren) geben und mit ½ Liter kochendem Wasser auffüllen. Eine Stunde lang ziehen lassen und trinken.

Dieser Tee ist in seiner Wirkung recht ausgeglichen und mild. Er stärkt und nährt gleichzeitig und hat eine besonders gute Wirkung auf das Abwehr-Qi.

 

Klassische Hühnersuppe mit Huangqi

½ Huhn in Teilen (z.B. Flügel oder Keulen)
2 cm
frischer Ingwer, in Scheiben geschnitten
10 g Danggui (chinesische Angelika)
20 g Huangqi
1 Handvoll Gouqizi (Goji-Beeren)
1 Handvoll Dazao (chineische Jujuben)
2 Karotten
2 Stangen Sellerie
2 Frühlingszwiebel

Alle Zutaten in einen großen Topf geben und mit 2 Litern Wasser auffüllen. Ganz nach Geschmack können auch Gewürze (Knoblauch, Lorbeer, Sternanis, Pfefferkörner…) zugegeben werden. Die Suppe 1-1½  Stunden lang kochen lassen, dann abseihen, das überschüssige Fett abschöpfen, nach Geschmack salzen oder würzen und servieren. Feinschmecker können die fertige Suppe mit frischen, nur kurz mitgekochten Gemüse-Julienne, Suppennudeln und/oder dem klein geschnittenen gekochten Hühnerfleisch verfeinern.

Diese Suppe stärkt das Qi und nährt Blut, ist deshalb ideal im Wochenbett oder nach einem größeren Blutverlust. Sie hat insgesamt eine wärmende Wirkung, weshalb sie bei Zeichen von Hitze oder Unruhe nicht gegessen werden sollte. Durch die Blut nährende und bewegende Wirkung ist sie auch bei vielen Problemen im Bereich der Menstruation hilfreich, nur bei durch Hitze verursachten sehr starken Blutungen sollte man darauf verzichten. Während einer Schwangerschaft wird die Suppe ohne Danggui zubereitet.

 

Einfache Hühnersuppe mit Huangqi

1 glückliches Huhn
30 g Huangqi
Salz

Das Huhn häuten und die größeren Fleischstücke entfernen (Brust, Keulen); diese kann man für eine andere Speise verwenden. Die übrig gebliebene Karkasse mit Huangqi in einen Topf geben und mit Wasser aufgießen. Die Suppe 2 Stunden lang köcheln lassen, dann abseihen, salzen und servieren. Ein sehr einfaches Rezept, aber nichts desto trotz eine ebenso köstliche wie gesunde Brühe. Die Brühe kann heiß in Marmeladegläser abgefüllt oder in Portionen tiefgefroren werden, damit man über längere Zeit einmal täglich eine Portion zu sich nehmen kann.

 

Vegetarische Suppe zur Stärkung des Abwehr-Qi

1 Stange Lauch, in Stücke geschnitten
1-2 Zehen Knoblauch, ganz
6 Shiitake-Pilze, frisch oder getrocknet und etwas zerkleinert
1 Handvoll Gouqizi
20 g Huangqi

Die Gemüse kurz in etwas Olivenöl braten, dann alle Zutaten zusammen 30-45 Minuten lang in Wasser köcheln lassen, mit Salz, Miso oder Sojasoße abschmecken. Die Suppe abseihen und als Brühe verwenden oder die Gemüse in der Suppe lassen und nur das Huangqi entfernen.

Diese Suppe kombiniert drei Zutaten, die jede für sich das Abwehr-Qi stärken kann: Huangqi, Shiitake-Pilze und Goji-Beeren.

 

Steinpilzrisotto mit Huangqi

Mit 20 g Huangqi und Gemüse eine klassische Gemüsebrühe zubereiten. Will man stattdessen eine fertige Brühe verwenden, so kocht man Huangqi in ½ Liter Wasser 30 Minuten lang und verwendet diese Abkochung dann als Basis für die Fertigbrühe. Mit der Brühe wird der Risotto zubereitet: Zwiebel in Olivenöl anbraten, den Reis dazugeben und einige Minuten über mittlerer Hitze anschwitzen lassen. Mit Weißwein löschen und verdampfen lassen, dann eine Schöpfkelle voll Brühe zugeben, die Hitze reduzieren und unter Rühren einkochen lassen. Die klein geschnittenen Stiele der frischen oder tiefgefroren Steinpilze zugeben und mitkochen lassen. So lange Brühe zugeben, bis der Reis fast weichgekocht ist. Kurz vor Ende der Kochzeit die in feine Scheiben geschnittenen Pilzhauben zugeben und weitere 5 Minuten einkochen lassen. Mit etwas gehackter Petersilie, Butter und Parmesankäse verrühren, einige Minuten rasten lassen und servieren.

 

Die Informationen auf dieser Website dienen ausschließlich der allgemeinen Information und können in keiner Weise die persönliche Beratung durch einen Arzt oder qualifiziertes medizinisches Fachpersonal ersetzen.

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2 Responses

  1. Hallo liebe Karin,

    es ist super Rezepte mit Astragali zu finden.

    Als TCM-Therapeutin und Heilpraktikerin in der Nähe von Köln verordne ich oftmals (in Verbindung mit anderen chinesischen Kräutern je nach Anamnese) Astragali in chinesischen Dekokten und ebenso wie das angesprochene Ginseng ist es wertvoller Bestandteil in der TCM. Gerade in der Frauenheilkunde und Kinderheilkunde empfehle ich das Kraut in Rezepte einzubauen und ich danke Dir herzlich für Deine vorgeschlagenen Rezeptmöglichkeiten. Ich gebe diese gerne an meine Patienten bei Bedarf weiter.

    Liebe Grüße und eine schöne Sommerzeit nach Österreich
    (dieses Jahr fahren wir zum ersten Mal nicht in den Ferien nach Österreich, wir werden unser Lieblings-Reiseland vermissen).

    Deine Christiane Falkus

  2. Karin sagt:

    Liebe Christiane, vielen herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Nur in einem muss ich dich korrigieren: Deine Sommergrüße gehen in meinem Fall nach Südtirol in Italien, nicht nach Österreich. Sie sind aber trotz falscher Adresse angekommen 😉 liebe Grüße zurück Karin

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