Der Ingwer

Wikimedia commons, by Franz Eugen KöhlerEine heiß geliebte Wurzel

Gleich vorne weg für alle Freunde der Botanik: wir verwenden vom Ingwer (Zingiber officinale) nicht wirklich die Wurzel, sondern den Wurzelstock. Den aber mit Leidenschaft, seit Jahrtausenden und in fast allen großen Kulturen dieser Erde. Was ist nur dran an dieser unscheinbaren, plumpen Wurzel?

Die Heilwirkungen des Ingwer konzentrieren sich nach der TCM auf zwei Bereiche: auf Milz und Magen (also die Verdauung) und auf die Lunge (also auch auf die Immunabwehr). Verwendet wird in allen diesen Fällen meist der frische Ingwer, während der getrocknete Ingwer mit größerer Vorsicht eingesetzt werden sollte, da er viel stärker wärmt.

Gegen Übelkeit und Blähungen

Ingwer ist eines der besten natürlichen Mittel gegen Übelkeit. Ganz gleichgültig, welches der Grund für die Übelkeit ist (Reise- oder Seekrankheit, Chemotherapie oder eine Schwangerschaft), der Ingwer schneidet in allen Studien auch im Vergleich zu gängigen Medikamenten sehr gut ab und das praktisch ohne Nebenwirkungen. Manchmal, so ein chinesisches Hausmittel, genügt es, sich eine Scheibe frischen Ingwer auf die Zunge zu legen, um den Magen zu beruhigen und sein Qi zu harmonisieren. Auch kandierter Ingwer oder Ingwer-Lutschpastillen können bei Übelkeit aushelfen. Am besten aber wirkt sicherlich ein Ingwertee  oder ein halber Teelöffel Ingwersaft (alle Rezepte im Anhang an den Artikel).

Frischen Ingwer empfiehlt die chinesische Tradition auch bei Blähungen und Darmkrämpfen. Ingwer hat, wie viele andere Gewürze auch, eine verdauungsfördernde und krampflösende Wirkung. Bei Blähungen empfiehlt sich zum Beispiel ein Tee aus Ingwer, Koriander und Kreuzkümmel oder aus Ingwer und Kardamom bei Blähungen und weichem Stuhl. Die schmerzstillende und krampflösende Wirkung des Ingwers kann übrigens auch bei Menstruationsbeschwerden sehr gut eingesetzt werden, vor allem dann, wenn sie mit Kälteempfinden einhergehen.

Erkältungen, Husten und Immunabwehr

Frischer Ingwer wirkt stark schweißtreibend und kann dadurch eine beginnende Erkältung abwehren. Nach der Theorie der TCM treibt Ingwer eingedrungene Krankmacher (in diesem Fall die eine Erkältung verursachende „Wind-Kälte“) durch die Poren der Haut wieder zurück nach draußen. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Erkältung wirklich im Anfangsstadium abgefangen wird, also solange wir noch frösteln und der Hals kratzt oder juckt, aber bevor Fieber und starke Halsschmerzen einsetzen.

Darüber hinaus ist Ingwer auch für chronische Atemwegserkrankungen ein wunderbares Mittel. Er wirkt hustenstillend und schleimlösend und kann bei allen Formen von chronischer Bronchitis oder Asthma eingesetzt werden, die durch Kälte verursacht werden oder von einem Kältegefühl begleitet werden.

Und schlussendlich stärkt der Ingwer unsere Immunabwehr, indem er – mit den Worten der TCM – das Abwehrqi vermehrt und unterstützt. Die kalte Jahreszeit wird also mit einer Tasse Ingwertee am Tag für kälteempfindliche und leicht erkältete Menschen um einiges erträglicher. Und sollte die innere Wärme nicht ausreichen, so verschafft ein Ingwerfußbad notfalls Wärme von außen.

Vorsicht!

Frischer Ingwer kann in den allermeisten Fällen ohne Bedenken auch über lange Zeit eingenommen werden, und das sowohl in den Speisen als auch als Tee oder Abkochung. Die einzige wichtige Kontraindikation für frischen Ingwer liegt in seiner wärmenden Funktion, die zu einer Schädigung der Körpersäfte und des Yin führen kann, nicht zuletzt auch über vermehrtes Schwitzen. Deshalb ein paar Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Ingwer.

Ingwer ist ein wunderbares Mittel bei allen Störungen, die durch Kälte hervorgerufen oder von Kälte begleitet sind. Vorsichtig sollte man in all den Fällen sein, in denen es Zeichen für Hitze oder Yin-Mangel mit Leerer Hitze gibt. Konkret heißt das also

  • was den Magen betrifft: Achtung bei brennenden Magenschmerzen, einem stark übersäuerten Magen, trockenem Mund mit starkem Durst, Lust auf kühle Getränke, roten und trockenen Lippen und Hitzegefühlen (sowohl tagsüber als auch nachts).
  • was den Darm betrifft: Achtung bei Hämorrhoiden mit Blutverlust und brennendem Gefühl am After, trockenem und/oder stark übel riechendem Stuhl.
  • was die Lungen betrifft: Achtung bei Fieber (Frösteln mit leichtem Fieber ist kein Problem), trockenem Husten, Husten ohne Auswurf, Husten mit blutigem Auswurf, Husten, der vor allem nachts einsetzt.
  • im allgemeinen: Achtung bei Hitzegefühlen (sowohl tagsüber wie auch nachts), Nachtschweiß, starkem Schwitzen, Schlafstörungen (in diesem Fall den Ingwer nur vormittags zu sich nehmen), Vorsicht auch bei Bluthochdruck.

Im Zweifelsfall hilft der Ratschlag eines TCM-Therapeuten weiter.

Rezepte:

Ingwertee:
4-5 Scheibchen frischer Ingwer mit 1 Tasse kochendem Wasser aufgießen oder 2-3 Minuten köcheln und anschließend 5 Minuten ziehen lassen.

Ingwersaft:
erhält man ganz einfach, indem man frischen Ingwer auf einer Apfelreibe fein raspelt und dann ausdrückt.

Ingwer-Koriandertee:
1 EL geriebener Ingwer
1 TL Koriandersamen (gemörsert)
1 TL Kreuzkümmel (gemörsert)
Alles in 1 Liter Wasser 2-3 Minuten aufkochen und dann noch 5 Minuten ziehen lassen. Nach Belieben süßen.

Ingwer-Fußbad:
ein 2-3 cm großen Stück frischen Ingwer in dünne Scheiben schneiden und in ausreichen Wasser kurz aufkochen und dann 5 Minuten ziehen lassen. Die Füße im leicht abgekühlten Wasser baden, solange es angenehm ist. Wichtig: nach dem Fußbad entweder kurz in kühles Wasser oder die Beine hochlagern, um den venösen Rückfluss zu erleichtern. Oder vielleicht gleich ins Bett 😉

Fotos: Wikimedia commons, by Franz Eugen Köhler, freedigitalphotos.net by africa

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4 Responses

  1. Elisabeth sagt:

    auch diese Seite und insgesamt das ganze Portal absolut empfehlenswert.
    danke

  2. Karin sagt:

    Hallo Barbara,
    der Ingwer hat Studien zufolge die Fähigkeit, das Blut zu verdünnen und die Blutgerinnung zu verringern. Außerdem entspannt er, unterstützt die Durchblutung und wirkt gefäßerweiternd. Alle diese Wirkungen zusammen können natürlich den Blutdruck leicht sinken lassen. Das ist sozusagen die unmittelbare Wirkung nach der Einnahme von frischem Ingwer: er wirkt so ähnlich wie äußere Wärme.
    Nach der TCM gibt es aber auch eine langfristige Wirkung, die sich auf den Blutdruck ganz anders auswirken kann. Bluthochdruck hängt nach der TCM ja mit einem Überschuss an Yang oder einem Mangel an Yin zusammen. Und eben diese Ungleichgewichte können sich bei längerer Einnahme von Ingwer verschlimmern. Deshalb gelten für den frischen Ingwer Hitze und Leere Hitze (durch Yin-Mangel) als Kontraindikationen. Übersetzt in westliche Krankheitsbilder bedeutet das dann, dass man bei Bluthochdruck mit Ingwer aufpassen sollte, zumindest was den langfristigen Einsatz betrifft.
    Andererseits gilt bei niederem Blutdruck: kurzfristig kann der Ingwer den Blutdruck vielleicht noch etwas senken (ähnlich wie ein warmes Bad oder die Sommerhitze), aber langfristig unterstützt er das Yang und ist deshalb sicherlich nicht verkehrt. Allerdings: um das Yang wirklich zu stärken sind bewegende und wärmende Gewürze wie der frische Ingwer alleine nicht genug.

  3. Edith Gehrig sagt:

    Guten Tag,
    ich trinke alle Tage zirka etwas mehr als 1. Lit. Ingwertee, den ich selber vorbereite, nehme noch bevor ich schlafen gehe ein Glas davon. Nun seit einiger Zeit habe ich in der Nacht so richtige Schweissausbrüche das geht bis in den Morgen, schlafen kann ich zwar sehr gut und lange, aber das schwitzen wird immer schlimmer. Ich bin 75. Jahre alt und bin seit 40 Jahren voll in den Wechseljahren und werde es auch bis zu meinem Tode sein, sagt der Arzt. Ich muss seit langem Systen Conti Kleber 2 x pro Woche kleben, somit ging es mir einiger massen gut, aber da ich nun mit Ingwer angefangen hatte ist es schlimmer geworden mit dem schwitzen. Was muss ich machen ? Sollte ich keinen Ingwer Tee mehr trinken ? Danke für Ihre Antwort und Ihre mühe.
    Mit freundlichen Grüssen Edith Gehrig

  4. Karin sagt:

    Guten Tag Frau Gehrig,
    Ingwertee macht schwitzen, ist also in den Nachmittags- und Abendstunden sicher nicht das richtige Getränk für sie. Wenn Sie ihn in der ersten Tageshälfte trinken, sollte das ok sein, aber möglichst nicht in den 5-6 Stunden vor dem zu Bett Gehen. Der Nachtschweiß ist ein typisches Symptom für den Yin-Mangel und dies wiederum ist ein sehr häufiges Syndrom während (und nach) den Wechseljahren. Durch den Nachtschweiß verliert der Körper allerdings viele wertvolle Substanzen und der Yin-Mangel kann sich dadurch noch mehr verschärfen. Deshalb ist es wichtig, den Schweiß so viel wie möglich einzuschränken. Um weniger zu schwitzen können Sie vor dem zu Bett gehen zum Beispiel Salbeitee trinken oder andere beruhigende und kühlende Tees, wie Melisse, Passionsblume, Kamille, oder Hopfen oder Baldrian (schmecken nicht so gut). Ganz allgemein würde ich Ihnen raten, die Kräuter und Gewürze für Ihre Tees zu mischen und immer wieder mal zu wechseln, denn zu viel von einem ist nicht gut.

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