Ein warmes Frühstück

Wahrscheinlich kennen alle das Sprichwort, nach dem wir morgens essen sollten wie ein Kaiser, mittags wie ein Edelmann und abends wie ein Bettler. Ein weiteres Sprichwort besagt: „ Das Frühstück behalte ich für mich, das Mittagessen teile ich mit meinen Freunden und das Abendessen lasse ich meinen Feinden.“

Die Organuhr

Die Beobachtungen, die hinter diesen Volksweisheiten stehen, spielen auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin eine wichtige Rolle. Die Organuhr der TCM, die für jeden einzelnen Funktionskreis eine Tageszeit mit minimaler und eine Tageszeit mit maximaler Energieversorgung und Aktivität festlegt, besagt, dass das Verdauungssystem (also die Funktionskreise Magen und Milz) morgens zwischen 7 und 11 Uhr besonders stark und aktiv sind, während sie abends, zwischen 19 und 23 Uhr ihre schwächste Phase durchlaufen. Auch wenn Erklährungsmodelle wie die Organuhr keine exakten Tatsachen vermitteln, sondern nur grob beobachtbare Zusammenhänge darstellen, dürfen wir daraus schließen, dass die Verdauung während der ersten Tageshälfte besser funktioniert als abends und nachts. Dies entspricht im Übrigen auch dem Tag-Nacht-Rhythmus von Yin und Yang: das Verdauen ist ein Yang-Prozess, der Kraft benötigt und Wärme produziert und die erste Tageshälfte ist die Zeit, in der das Yang seinem Höhepunkt zustrebt, während der Organismus abends und nachts ins Yin abtaucht.

Die Kraftressourcen

Aus der Sicht der Chinesischen Medizin ist es zunächst einmal sehr wichtig, überhaupt zu frühstücken. Das hat mit unseren Kraftressourcen zu tun. Die TCM unterscheidet hier vorgeburtliche und nachgeburtliche Ressourcen. Letztere, also Qi und Blut, werden über die gesamte Lebenszeit hin ständig verbraucht und immer wieder neu aufgefüllt. Dafür benötigt der Organismus feste und flüssige Nahrung und Atemluft. Besonders für das Qi besitzen wir allerdings keine großartigen Reserven: wenn es zur Neige geht, werden wir müde, schwach, unkonzentriert und hungrig. Wie wir alle wissen, können wir auch dann noch weitermachen, wenn wir müde sind und unser Qi alle ist, doch nach der TCM zapfen wir in solchen Situationen unsere vorgeburtlichen Kraftressourcen an: die Essenz (chinesisch jing) und damit indirekt auch Yin und Yang des Funktionskreises Niere. Das Problem dabei ist, dass diese Ressourcen nur mehr sehr schwer und in begrenztem Maße erneuert werden können. Wenn wir zu viel davon verbrauchen, verlieren wir an Vitalität und Lebenszeit, wir beschleunigen also letztendlich unseren Alterungsprozess.

Gehen wir morgens ohne Frühstück aus dem Haus oder ersetzen wir das Frühstück durch eine Tasse Kaffee, so verwehren wir unserem Organismus die Möglichkeit, Qi aufzubauen und zwingen ihn, auf die vorgeburtlichen Ressourcen zurückzugreifen. Die TCM erklärt auch, dass wir um die vorgeburtlichen Ressourcen zu schützen und so wenig wie möglich davon zu verbrauchen, möglichst viel Qi benötigen. Wir könnten, um diesen Mechanismus zu erklären, statt von Qi und vorgeburtlichen Ressourcen ebenso gut auch von Blutzuckerspiegel, Unterzuckerung und Stresshormonen sprechen. Wichtig dabei ist nicht zu vergessen, was die Chinesen über Jahrhunderte beobachtet haben: die vorgeburtlichen Ressourcen sind irgendwann erschöpft und sie erholen sich nur sehr bedingt. Die durch Stresshormone freigegebenen Kraftressourcen gibt es also nicht gratis, die Rechnung dafür flattert uns früher oder später ins Haus.

Und damit sind wir schon bei der Frage, was wir denn nun am besten zum Frühstück essen sollten. Das Frühstück sollte uns ausreichend Qi liefern, es sollte dem Tagesrhythmus entsprechend unser Yang unterstützen und es darf ruhig etwas deftiger ausfallen, denn morgens steckt unser Verdauungssystem das besser weg als abends. Volles Getreide, Hülsenfrüchte, Fisch, Fleisch und Eier, Nüsse, gekochtes Gemüse oder Obst… im Prinzip gibt es nicht viel, was sich nicht zu einem kräftigenden Frühstück eignet. Wichtig ist, dass es sich um eine möglichst vollständige, sättigende und wärmende Mahlzeit handelt. Mit etwas Lust zur Provokation rate ich bei meinen Vorträgen meist zu Gulasch mit Polenta oder Chili con carne und ernte erstaunte Blicke. Doch wenn wir uns auf dem Globus umsehen, finden wir viele Völker, die warm und relativ deftig frühstücken und auch in unseren Breiten sind solche Gewohnheiten erst seit einigen wenigen Generationen verloren gegangen. Ungünstig zum Frühstück – aber leider sehr weit verbreitet – sind hingegen Zuckersüßes, Weißbrot, Cornflakes oder Mehlspeisen, rohes Obst, Joghurt oder Fruchtsäfte, weil sie entweder durch den schnellen Zucker das Milz-Qi schwächen oder das aufsteigende Yang zu sehr dämpfen.

Abnehmen ohne zu hungern

Völlig abwegig ist die Sorge, durch ein zu sättigendes Frühstück dick zu werden. Das exakte Gegenteil ist der Fall: ein wärmendes und sättigendes Frühstück aktiviert Qi und Yang und ist somit die allerbeste Maßnahme für eine gesunde Gewichtskontrolle. Bisweilen wird auch die Beobachtung gemacht, dass nach einem sättigenden Frühstück den ganzen Tag über mehr Appetit aufkommt. Sich deshalb Sorgen um das Gewicht zu machen ist ebenfalls völlig abwegig. Schuld an dieser irrigen Meinung ist die leidige Kalorienzählerei, die fälschlicherweise davon ausgeht, dass wir automatisch abnehmen, wenn wir weniger essen, als wir brauchen könnten. Der vermehrte Appetit ist auf jeden Fall ein Grund zur Freude. Ein gesunder Appetit ist ein Zeichen für einen vitalen Organismus und ein starkes Verdauungssystem; er bedeutet in diesem Fall, dass der Organismus aktiver wird, mehr Qi umsetzt, das Yang stärker aktiviert. Mehr Qi und Yang bedeuten mehr Konzentration, mehr Tatkraft, mehr Muskelkraft, eine bessere Immunabwehr, Verdauung, Atmung und Durchblutung… und in den allermeisten Fällen weniger überflüssiges Körpergewicht.

Also raus aus den Federn und ran an die Kochtöpfe! Rezeptideen gibt es unzählige und viel kann vorgekocht oder in wenigen Minuten zubereitet werden. Probiere es einfach einmal ein paar Tage lang aus, das ist besser als lange darüber nachzudenken.

Die Informationen in dieser Website dienen ausschließlich der allgemeinen Information und können in keiner Weise die persönliche Beratung durch einen Arzt oder qualifiziertes medizinisches Fachpersonal ersetzen.

You may also like...

6 Responses

  1. Giovanna Benetollo sagt:

    ..ehm con parole semplici in definitiva cosa è bene mangiare a colazione???!!!!!

  2. Karin sagt:

    Parole veramente molto semplici? Eccole: quello che mangeresti normalmente per pranzo 🙂 Questo sarebbe l’ideale, ma ovviamente c’è largo spazio per trovare dei compromessi. Qualche ricetta si trova qui.

  3. Francesco sagt:

    Molto interessante e molto comprensibile. Curiosità: come il corpo va ad attingere in modo indiretto allo Yin o Yang di Rene se non riesce a produrre abbastanza Qi oppure ne consuma in eccesso?
    La ringrazio

  4. Karin sagt:

    Normalmente è il sistema funzionale di milza a mettere a disposizione il qi per l’intero organismo. Quando questo per una qualsiasi ragione non è possibile (carestia, maratona…) entra in gioco il sistema di rene per mobilizzare le riserve. Per la MTC si tratta di yin e yang del rene, ancora più in profondo anche della sua essenza e del qi originario. Dal punto di vista biomedico questo passaggio coincide con il momento in cui entrano in gioco i cosiddetti „ormoni dello stress“ (cortisolo, adrenalina). Per la medicina cinese il problema è che queste risorse del rene non possono essere reintegrate facilmente, in parte si consumano e basta. Questa è la ragione per la quale troppo stress ci toglie vitalità e ci fa invecchiare più velocemente.
    Un caro saluto Karin

  5. Bertermann sagt:

    ….gleich noch eine Frage von Mutter zu Mutter-unsere Jungs sind 6, 9, 12, hättest Du einen Vorschlag für ein gesundes Frühstück, dass sie unter der Schulwoche essen können? Dankbar wäre ich auch über einen Tipp, was sie idealerweise zur Schulbrotzeit essen können.
    Vielen Dank

  6. Karin sagt:

    Liebe Katharina, wenn Deine Jungs meinen Kindern ähnlich sind, dann ist diese Frage nicht einfach zu beantworten. Meine haben in den ersten Jahren natürlich widerstandslos meine Breie gelöffelt und dann viele Jahre revoltiert und mit Butter, Brot und Marmelade gefrühstückt. Zu Recht, bei einer Ernährungsberaterin als Mutter kann man da wohl nicht anders. Seit kurzen leistet mein Sohn mir bei meinem warmem Getreidefrühstück wieder Gesellschaft und meine Tochter hat sich – sehr trendig – auf Smoothies spezialisiert. Als Jause nehmen sie sehr unterschiedliche Dinge mit, Brote, Obst, einen Rest Pizza, selten auch Kekse. Natürlich wären hausgemachte Müsliriegel oder Haferkekse gesünder, aber das ist ihnen wohl nicht cool genug… 😉 Liebe Grüße Karin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.