Qigong-Übungsserien

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Die im Folgenden beschriebenen Übungsserien sind lange nicht alle, die es gibt. Es gibt unzählige Stile und Serien im Qigong und teilweise scheinen sie sehr unterschiedlich zu sein. Dennoch sagen die Chinesen, Qigong ist wie der Ozean: er setzt sich aus vielen Wellen zusammen, aber letztendlich ist alles Wasser. Ein Qigong-Lehrer, bei dem ich in Hangzhou lernte, hat einmal zu mir gesagt: “Ihr Westler wollt immer viele Qigong-Übungen kennenlernen. Aber hier geht es nicht um das Haben, hier geht es um das Sein. Du kannst dein Leben lang nur eine einzige Qigong-Übung praktizieren und ein großer Meister werden.” Es geht also mehr darum, die richtigen Übungen für sich zu finden.

Die folgenden Übungsserien sind die, die ich praktiziere und auch unterrichte. Jede einzelne ist ein wertvoller Teil der chinesischen Tradition und es wert, mit Hingabe und Geduld praktiziert zu werden.

Die acht Brokate (ba duan jin, 八段锦)

Die acht Brokate sind die weltweit wohl am häufigsten praktizierte Übungsserie. Der Name, „acht Stücke Brokat“, spielt darauf an, wie wertvoll diese Übungen sind. Ihr Ursprung ist ungewiss, doch erste schriftliche Hinweise auf die Übungen gibt es bereits in der chinesischen Antike. Es handelt sich um acht wunderschöne Übungen, in denen Bewegung, Atmung und die innere Bewegung des Qi eine harmonische Einheit bilden. Die Übungen wechseln zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Ruhe und Bewegung, Yin und Yang. Das Baduanjin vereint alle positiven gesundheitlichen Wirkungen des Qigong, es entspannt den Körper und kräftigt ihn zugleich, es beruhigt den Geist, verbessert die physiologischen Körperprozesse und stärkt die Immunabwehr. Körperliche Anstrengung und Intensität der Übungen können individuell angepasst werden, es gibt auch schöne und wirkungsvolle Varianten im Sitzen.

Die Transformation der Sehnen und Bänder (yi jin jing, 易筋经)

Das Yijinjing ist eine Übungsfolge, die wie das Xisuijing dem Bodhidharma zugeschrieben wird, einem indischen Mönch, der zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. lebte und als Gründer des chinesischen Chan-Buddhismus gilt. Die Übungen hatten zum Ziel, die Gesundheit der Shaolin-Mönche zu verbessern, die vom stundenlangen Meditieren geschwächt waren. Der Name deutet darauf hin, dass es hier vor allem um Kraft- und Dehnungsübungen geht. Die Dehnung geschieht allerdings nicht wie im Stretching durch Ziehen oder Reißen, sondern durch weiche, harmonische Bewegungen, das Lösen von Blockaden und die bessere Zirkulation des Qi. Der Körper gewinnt durch das regelmäßige Üben sozusagen von innen heraus an Kraft und Geschmeidigkeit.
Es gibt sehr viele unterschiedliche Varianten des Yijinjing. Ich praktiziere die Abfolge der 12 Übungen so, wie ich sie von Großmeister Shi Yong Dao (Shaolin-Mönch in der 33. Generation) erlernt habe. Es handelt sich um relativ anspruchsvolle Übungen. Die Bewegungsabläufe sind zwar nicht besonders komplex, aber das Üben verlangt große Intensität sowohl im körperlichen als auch im energetischen Sinne, ganz ähnlich wie bei den 8 Übungen des Baduanjin.

Die Baumübungen (yang sheng zhuang gong, 养生庄公)

Die Baumübungen entstammen der Shaolin-Tradition. Es handelt sich um eine Folge von acht relativ einfachen Übungen, die aber alle wichtigen Bewegungen beinhalten. Die Baumübungen eignen sich sehr gut für Anfänger im Qigong, da die Bewegungen leicht zu erlernen sind und die Aufmerksamkeit dem Atem und der Wahrnehmung des Qi gewidmet werden kann. Dennoch handelt es sich natürlich um ein in sich geschlossenes, vollständiges Übungssystem, das alle wichtigen Bewegungen beinhaltet und dem gesamten Körper Bewegung, Kraft und Entspannung schenkt. Wie der Name schon sagt (yangsheng bedeutet übersetzt „das Leben nähren“) sind die Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung die wichtigsten Ziele dieser Übungsreihe.

Die 18 Übungen des Taiji-Qigong (shi ba shi, 十八式)

Die 18 Übungen des Taiji-Qigong (auf Chinesisch heißen sie schlicht und einfach „18 Formen“, shibashi 十八式) sind eine Übungsfolge, die in den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von Professor Lin Housheng zusammengestellt wurde. Einige Übungen sind dem Taijiquan entliehen, so zum Beispiel „die Wolkenhände“ und „den Affen abwehren“. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um relativ leicht zu erlernende Übungen, die auch körperlich nicht allzu anstrengend sind. Die Übungen können also ganz entspannt geübt werden, eignen sich aber durchaus auch als Tor zu einer intensiven Qi-Arbeit. Das Ziel der Übungen ist es, den  gesamten Körper zu  entspannen und zu harmonisieren, den Geist zu beruhigen, die Atmung zu vertiefen und Qi-Blockaden zu lösen. Die Zielsetzung von Professor Lin war vor allem die Linderung von Krankheiten und die Erhaltung der Gesundheit. Die 18 Übungen des Taiji-Qigong eignen sich für alle, Anfänger wie Fortgeschrittene, die Qigong praktizieren wollen, ohne allzu viel zu schwitzen.

Das Spiel der fünf Tiere (wu qin xi, 五禽戏)

Das Spiel der fünf Tiere stellt innerhalb der sehr vielen Qigong-Formen etwas besonders dar. Seine Ursprünge gehen zurück auf Hua Tuo, den wohl berühmtesten Arzt der chinesischen Geschichte aus der Han Dynastie im 2. Jahrhundert n. Chr. Klar erkennbar sind die schamanischen Wurzeln der Übungen: in Tänzen wurden Tiere nachgeahmt, um sich ihre Kräfte, ihre Wesenheit zu Eigen zu machen. Die Daoisten ahmten die spontanen Bewegungen der Tiere nach, um wie sie auf ganz natürliche Art gesund zu bleiben und den Körper kräftig und geschmeidig zu erhalten. Das ist auch heute noch ein wichtiger Aspekt im Spiel der fünf Tiere. Jedes der Tiere hat eigene Charaktereigenschaften, die durch die Bewegung, die Mimik und eine besondere Handhaltung ausgedrückt werden. Nach der Theorie der Fünf Wandlungsphasen entsprechen jedem der fünf Tiere bestimmte Funktionskreise und Emotionen, auch dies wichtige Aspekte in der therapeutischen Wirkung dieser Übungen. Nach zwei Jahrtausenden durchgehender Ausübung gibt es natürlich sehr viele unterschiedliche Varianten der Übungen. Diese Übungsserie besteht aus zehn einzelnen Übungen, je zwei für den Tiger, den Hirsch, den Bären, den Affen und den Kranich. Der Tiger verkörpert dabei Mut, Schnelligkeit und Angriffslust, der Hirsch Ruhe, Stolz und Anmut, der Bär Kraft, Schwerfälligkeit und Bodenständigkeit, der Affe Neugier, Verspieltheit und Gewandtheit und der Kranich Eleganz, Erhabenheit und Leichtigkeit. Die Übungen sind leicht zu erlernen und bieten einen in sich harmonischen Ablauf, der Geschmeidigkeit und Kraft für den gesamten Körper bringt. Die Übungen können ohne weiteres auch von älteren oder unsportlichen Personen praktiziert werden; sie verbessern Tag für Tag auf entspannte Weise die Fitness, das Gleichgewicht und die Gesundheit. Das Spiel der 5 Tiere zeichnet sich durch besondere Lebendigkeit und Vielfalt aus, es zu üben macht ganz einfach Spaß.