Die Zitrone

Die Zitrone ist ein Nahrungsmittel mit extremen Eigenschaften und einer ebenso beachtlichen wie komplexen therapeutischen Wirkung. Beim Versuch, die Zitrone nach den Kriterien der Chinesischen Medizin zu klassifizieren muss zunächst zwischen Fruchtfleisch und Schale unterschieden werden. Fruchtfleisch und Saft sind sehr sauer und haben stark kühlende Wirkung, während der farbige Anteil der Schale sich durch eine scharfe (aromatische), leicht bittere und wärmende Wirkung hervortut. Im weißen Anteil der Schale hingegen überwiegt eindeutig der bittere Geschmack.

Hitze ausleiten

Dank seiner erfrischend-kalten Natur ist der Zitronensaft ein hervorragendes Mittel um Hitze auszuleiten. Was nach westlichen Maßstäben einer antibakteriellen, entzündungshemmenden und beruhigenden Wirkung entspricht, kann nach der TCM in allen Fällen von Hitze eingesetzt werden. Das einfachste Beispiel ist die Sommerhitze: nach einem heißen Tag kühlt Zitronensaft und hilft dabei, besser zu schlafen. Als Schlaftrunk wirkt Zitronensaft auch bei Menschen, die in den Stunden um 3 Uhr nachts plötzlich hellwach werden, einer Schlafstörung, welche nach der TCM auf eine Hitze im Funktionskreis Leber zurückzuführen ist und typischerweise von einem wärmenden Abendessen verschlimmert wird.

Die antiseptische Wirkung der Zitrone kommt bei Entzündungen im Hals- und Rachenraum zum Einsatz, so zum Beispiel in Form eines heißen Zitronensafts (siehe Rezepte im Anschluss an den Artikel). Auch bei Zahnfleischbluten oder Mundgeruch (nach der TCM oft Symptome von Magen-Hitze) ist Zitronensaft ein wunderbares Mittel. Äußerlich kann Zitronensaft mehrmals täglich aufgetragen Pickel wirksam bekämpfen.

Die Hitze ausleitende Wirkung der Zitrone betrifft vor allem die Funktionskreise Magen und Leber. Gerade was den Magen angeht, gibt es aber eine Reihe sehr wichtiger Kontraindikationen für die Zitrone, mit welchen nach der TCM ein unlösbarer Widerspruch einhergeht. Magenhitze manifestiert sich oft in einer Übersäuerung des Magens, und häufig haben auch Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre eine Hitzestörung zur Ursache. Rein theoretisch sollte die Zitrone sich in diesen Fällen also eignen um die Hitze auszuleiten, tatsächlich aber ist auf Zitronensaft in solchen Fällen unbedingt zu verzichten, da die Zitronensäure die Magenschleimhaut zusätzlich reizen würde. Diese Einschränkung betrifft allerdings allein den Magen; vom Magen abwärts wirkt die Zitrone basisch. Trotz ihres vordergründig sehr sauren Geschmacks ist die Zitrone nämlich eines der am stärksten basenbildenden Nahrungsmittel. Auch für die in den letzten Jahren viel thematisierte Übersäuerung des Körpers stellt die Zitrone daher ein ausgezeichnetes Gegenmittel dar.

Yin tonisieren, Säfte nähren und Durst stillen

Zitronensaft ist ein ausgezeichneter Durstlöscher. Nach der TCM werden die Körpersäfte vor allem durch die Kombination der Geschmäcker sauer-süß oder sauer-salzig aufgebaut, also im Falle der Zitrone durch eine leicht gesüßte Limonade oder ein Mineralwasser mit einem Schuss Zitrone.

Neben den Körpersäften nährt die Zitrone auch etwas das Blut und hat – viel wichtiger noch –die Kraft, das Yin zu stärken, sprich sie verbessert direkt die Fähigkeit des Körpers sich zu regenerieren und seine Substanzen immer wieder zu erneuern. Insbesondere ein Yin-Mangel mit Symptomen von Leerer Hitze, wie er bei Frauen in den Wechseljahren oder ganz allgemein älteren Menschen sehr oft vorkommt, spricht neben anderen Nahrungsmitteln auch auf die Zitrone sehr gut an.

Qi bewegen, den Magen harmonisieren

Eine Eigenschaft der Zitrone, die den Funktionskreis Leber betrifft und sowohl der farbigen Schale als auch dem Fruchtfleisch zugeordnet wird, ist es, das Qi zu bewegen und zu harmonisieren. Dadurch wirkt die Zitrone (wie übrigens auch Bitterorange, Mandarine oder Pompelmo) als Verdauungshilfe, insbesondere bei stressbedingten Verdauungsstörungen, welche nach der TCM mit einer Leber-Qi-Stagnation zusammenhängen.  Auf Grund dieser harmonisierenden und bewegenden Eigenschaften besitzt die Zitrone auch eine stimmungsaufhellende Wirkung. Für Morgenmuffel, die morgens unter schlechter Laune oder einem Gefühl der Abgeschlagenheit leiden, empfiehlt es sich deshalb, gleich nach dem Aufstehen ein Glas warmes Wasser mit dem Saft einer Zitrone zu trinken, bei kälteempfindlichen Menschen eventuell durch etwas Ingwersaft ergänzt.

Durch ihre fettlösende Kraft hilft die Zitrone insbesondere bei der Verdauung von fettreichen Speisen. Auch wer viele tierische Nahrungsmittel zu sich nimmt, sollte mit der Zitrone nicht sparen und ab und zu Fleisch oder Fisch darin marinieren (siehe Rezepte). Die wohltuende Wirkung auf Leber und Gallenblase umschließt auch eine entgiftende, das Blut reinigende Funktion, zudem vermehrt die Zitrone die Produktion von Gallensaft und unterstützt dessen Ausschüttung. Es kursieren unzählige Kuren, die meist mit Hilfe von Zitrone und Olivenöl kleinere Gallensteine und Gallengries in Bewegung zu bringen versuchen, um sie durch den Verdauungstrakt auszuscheiden. Eine sanfte und relativ unbedenkliche Variante empfiehlt die Einnahme von 2 Esslöffeln extranativem Olivenöl und 2 Esslöffeln Zitronensaft gefolgt von einer 30 bis 60 minütigen Esspause. Einmal pro Woche angewandt bietet eine solche Kur eine gute Prävention gegen die Bildung von Gallensteinen. Und da regelmäßig genossener Zitronensaft auch eine gute Prävention gegen Nierensteine bietet, kann man die Zitrone insgesamt als ein ausgezeichnetes Mittel gegen Steine aller Art

Die Schale löst Schleim

Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet verschiedene Zitrusfrüchte als Heilkräuter, doch meist kommen davon nur die getrockneten Schalen zum Einsatz. Wie viele andere Zitrusschalen hat auch die Zitronenschale die wertvolle Fähigkeit, Schleim (chinesisch: tan) zu lösen. Eingesetzt werden kann dies sowohl für den Funktionskreis Lunge (so bei Asthma oder Husten mit Auswurf), als auch bei Schleimstörungen im Zusammenhang mit Übergewicht, Bluthochdruck oder ungesunden Blutfettwerten. Eine famose Entgiftungskur, welche Fruchtfleisch und Schale der Zitrone mit Knoblauch bzw. frischem Ingwer kombiniert, findest du im Anhang an diesen Artikel.

Heiße Zitrone

Ein traditionelles Mittel gegen Halsschmerzen und Rachenentzündungen. Der Saft einer Zitrone wird mit einem Glas heißem Wasser (ca. 60 °C) aufgegossen und mit einem Esslöffel Honig gesüßt. So heiß wie möglich trinken.

Ceviche – in Zitronensaft marinierter Fisch aus Peru

500 g festes weißes Fischfilet, ganz frisch, Sushi-Qualität
4 Zitronen oder 8 Limetten
½ rote Zwiebel
Koriandergrün
Salz, Olivenöl

Das Filet in kleine Würfel schneiden und mit dem ausgepressten Zitronensaft 6 Stunden im Kühlschrank marinieren lassen. Danach abtropfen lassen und in eine Schüssel geben. Die sehr fein geschnittene Zwiebel, das gehackte Koriandergrün dazu geben und mit Salz und Olivenöl abschmecken.

Ganz nach Geschmack können auch rohe Garnelen verwendet werden, Zwiebel, Knoblauch oder frischer Ingwer mit in die Marinade kommen oder gehäutete und gewürfelte Tomaten, gewürfelte Avocado, Gurke, Stangensellerie oder Peperoni in das Ceviche gegeben werden.

Entgiftungskur mit Zitrone

In einem starken Mixer 3 Bio-Zitronen mit unbehandelter Schale, 1-2 Knoblauchzehen und 3 cm frischer Ingwer (in Scheibchen geschnitten) zusammen mixen, bis eine sämige weiße Creme entsteht. Die Creme in ein Marmeladeglas füllen und im Kühlschrank für 3-4 Tage aufbewahren. Sie kann mit etwas Wasser zu einer erfrischenden Limonade aufgegossen werden oder auch löffelweise gegessen werden. Die tägliche Ration beträgt ungefähr 2-4 Esslöffel.

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